Warum ETFs für viele Privatanleger zur ersten Wahl geworden sind.

Nachdem Sie eine zu Ihrer persönlichen Situation passende Vermögensallokation festgelegt und verstanden haben, warum Regelmäßigkeit oft wichtiger ist als die Suche nach dem perfekten Einstiegszeitpunkt, bleibt noch eine entscheidende Frage offen: In welche Anlageinstrumente sollte man konkret investieren?

Viele Anleger haben bereits wichtige Grundlagen geschaffen. Sie verfügen über eine erste Strategie, investieren regelmäßig oder möchten damit beginnen und haben eine klare Vorstellung davon, welche Ziele sie mit ihrem Vermögensaufbau verfolgen. Jetzt geht es darum, die passenden Instrumente auszuwählen, um diese Strategie umzusetzen.

Lange Zeit bedeutete Investieren, Unternehmen selbst auszuwählen, die Wirtschaftsnachrichten zu verfolgen, einzelne Branchen zu analysieren und das eigene Portfolio Schritt für Schritt aufzubauen.

Für manche Anleger ist dieser Ansatz nach wie vor die richtige Wahl. Er kann sogar durchaus reizvoll sein, da er eine aktivere Beschäftigung mit dem eigenen Vermögensaufbau ermöglicht.

Für viele andere bringt dieser Ansatz jedoch eine wesentliche Herausforderung mit sich: Der Aufbau und die Pflege eines breit diversifizierten Portfolios erfordern Zeit, Wissen und eine regelmäßige Beschäftigung mit dem Thema. Deshalb nehmen ETFs heute einen zentralen Platz in den Anlagestrategien vieler Privatanleger ein.

Sie ermöglichen ein breit diversifiziertes Investment, sind vergleichsweise einfach aufgebaut und erfordern keine permanente Beobachtung von Dutzenden Unternehmen. Deshalb gehören sie heute zu den beliebtesten Instrumenten für Privatanleger, die langfristig Vermögen aufbauen möchten, ohne sich täglich mit den Finanzmärkten beschäftigen zu müssen.

Doch was genau sind ETFs? Und warum begeistern sie so viele Privatanleger?

Eine einfache Idee: Statt auf ein einzelnes Unternehmen auf einen ganzen Markt setzen

Wenn man eine Aktie kauft, ist man direkt von der Entwicklung des jeweiligen Unternehmens abhängig. Entwickelt sich das Unternehmen erfolgreich, steigert seine Rentabilität oder gewinnt Marktanteile hinzu, kann auch der Wert der Investition steigen. Umgekehrt können schwierige Zeiten, ein Rückgang der Geschäftstätigkeit oder enttäuschende Geschäftsergebnisse erhebliche Auswirkungen auf den Kurs haben. Dieser Ansatz kann attraktive Chancen bieten, hat aber auch einen offensichtlichen Nachteil: Ein großer Teil des Anlageerfolgs hängt vom Schicksal einiger weniger, individuell ausgewählter Unternehmen ab.

ETFs verfolgen einen völlig anderen Ansatz: Anstatt in ein einzelnes Unternehmen zu investieren, ermöglichen sie eine gleichzeitige Investition in eine Vielzahl von Unternehmen, die in einem gemeinsamen Index zusammengefasst sind. Je nach ETF kann diese Gruppe aus mehreren Dutzend, mehreren Hundert oder sogar mehreren Tausend Unternehmen bestehen, die über verschiedene Branchen und teilweise auch über unterschiedliche Regionen der Welt verteilt sind.

Allerdings bildet nicht jeder ETF denselben Index ab. Einige ermöglichen Investitionen in große Unternehmen aus aller Welt über breit diversifizierte globale Indizes. Andere konzentrieren sich auf bestimmte Regionen wie die USA oder Europa. Darüber hinaus gibt es ETFs, die auf einzelne Branchen spezialisiert sind, etwa Technologie, Gesundheit oder erneuerbare Energien. Schließlich investieren manche ETFs überwiegend in Anleihen und legen den Schwerpunkt stärker auf Stabilität als auf Wachstum.

So ermöglicht beispielsweise ein ETF auf den MSCI World den Zugang zu mehreren Hundert großen Unternehmen aus den entwickelten Industrieländern. Ein ETF auf den S&P 500 konzentriert sich dagegen auf die größten US-amerikanischen Unternehmen, während ein Europa-ETF ausschließlich in Unternehmen des europäischen Kontinents investiert. Andere ETFs wiederum bilden Anleiheindizes ab, die aus Staats- oder Unternehmensanleihen bestehen.

Die wichtigsten ETF-Kategorien
Einige Beispiele, um besser zu verstehen, was ein ETF abbilden kann
🌍
Welt-ETF
Große Unternehmen aus entwickelten Ländern
🇺🇸
ETF S&P 500
Die größten US-Unternehmen
🇪🇺
Europa-ETF
Unternehmen aus Europa
🏛️
Anleihen-ETF
Staats- und Unternehmensanleihen

Trotz ihrer Unterschiede verfolgen sie alle dasselbe Ziel: Mit einem einzigen Anlageprodukt Zugang zu einer Vielzahl von Vermögenswerten zu bieten.

Der Anleger ist dadurch nicht mehr vom Erfolg oder Misserfolg eines einzelnen Unternehmens abhängig, sondern beteiligt sich stärker an der Entwicklung eines gesamten Marktes, einer Region oder einer Volkswirtschaft, die durch den jeweiligen Index repräsentiert wird. Dieser Unterschied mag auf den ersten Blick unscheinbar wirken, verändert jedoch grundlegend die Art des Investierens und die Reaktion eines Portfolios auf Ereignisse, die ein einzelnes Unternehmen betreffen.

Nehmen wir ein bewusst vereinfachtes Beispiel: Wer in die Aktie eines einzelnen Unternehmens investiert, hängt direkt von dessen Entwicklung ab. Wer dagegen in einen globalen ETF investiert, ist indirekt an mehreren Hundert oder sogar mehreren Tausend Unternehmen beteiligt, die über viele Länder verteilt sind. Im ersten Fall kann eine schlechte Nachricht über das Unternehmen erhebliche Auswirkungen auf die Investition haben. Im zweiten Fall fällt dieser Effekt in der Regel deutlich geringer aus, da er auf eine wesentlich größere Anzahl von Unternehmen verteilt wird.

Diese Diversifikation beseitigt das Risiko natürlich nicht. Die Märkte können mitunter deutliche Rückgänge erleben, und kein ETF garantiert eine positive Wertentwicklung. Sie hilft jedoch dabei zu vermeiden, dass eine einzelne Anlageentscheidung oder ein Ereignis, das ein bestimmtes Unternehmen betrifft, allein über das Ergebnis eines gesamten Portfolios entscheidet.

Warum dieser Ansatz so viele Anleger überzeugt

Der Erfolg von ETFs beruht nicht allein auf ihrer breiten Diversifikation.

Sie entsprechen zudem einer ganz einfachen Realität: Die meisten Privatanleger möchten nicht mehrere Stunden pro Woche damit verbringen, Unternehmen zu analysieren oder die Entwicklungen an den Finanzmärkten zu verfolgen.

Direkte Investitionen in einzelne Aktien bringen zahlreiche Entscheidungen mit sich: Welche Unternehmen soll man auswählen? Wie viele Positionen sollte man halten? Sollte man einzelne Positionen aufstocken oder das Engagement reduzieren, wenn eine Branche eine schwierigere Phase durchläuft?

Für die einen gehört genau das zum Reiz des Investierens: die Märkte zu verfolgen, Unternehmen zu analysieren oder das eigene Portfolio Position für Position aufzubauen. Für andere steht beim Investieren vor allem ein größeres Ziel im Vordergrund – ein Projekt zu finanzieren, Vermögen aufzubauen oder mehr finanzielle Freiheit zu gewinnen.

Genau hier schaffen ETFs eine Verbindung zwischen diesen beiden Ansätzen. Sie ermöglichen es, an der Entwicklung der Märkte teilzuhaben, ohne jedes einzelne Unternehmen selbst auswählen oder das gesamte Portfolio ständig überwachen zu müssen.

Das macht Investieren natürlich nicht risikofrei und garantiert keinerlei Rendite. Dieser Ansatz ermöglicht es jedoch häufig, weniger Energie auf technische Entscheidungen zu verwenden und sich stärker auf die langfristige Konsistenz der eigenen Strategie zu konzentrieren.

Der eigentliche Vorteil: Investiert bleiben fällt leichter

Wer sich erstmals mit ETFs beschäftigt, richtet seine Aufmerksamkeit oft auf Kriterien wie den zugrunde liegenden Index oder die Höhe der Verwaltungsgebühren. Diese Faktoren sind zweifellos wichtig. Betrachtet man jedoch Anlageentscheidungen über viele Jahre hinweg, sind sie nicht immer ausschlaggebend für den langfristigen Erfolg.

Eine Strategie, die leicht zu verstehen und umzusetzen ist, hat oft bessere Chancen, über viele Jahre hinweg beibehalten zu werden als ein komplexer Ansatz, der ständige Entscheidungen erfordert.

Das gilt insbesondere für Anleger, die ihr Vermögen Schritt für Schritt aufbauen und Monat für Monat regelmäßig investieren.

Das Beispiel von David

David ist 43 Jahre alt. Er arbeitet seit vielen Jahren in der industriellen Instandhaltung und lebt mit seiner Frau und ihren beiden Kindern in Straßburg. Wie bei vielen Menschen in seinem Alter sind seine Tage gut ausgefüllt. Zwischen Beruf, familiären Verpflichtungen, Rechnungen, der Finanzierung des Eigenheims und den kleinen Unwägbarkeiten des Alltags blieb ihm nie wirklich die Zeit, sich intensiv mit dem Thema Geldanlage zu beschäftigen. Lange Zeit begnügte er sich damit, Geld zur Seite zu legen, wann immer es möglich war – ohne besondere Strategie.

Seit einiger Zeit hat sich seine Sichtweise verändert. Er kann sich nicht unbedingt vorstellen, bis zum klassischen Renteneintritt im gleichen Tempo weiterzuarbeiten. Der Gedanke, mehr Zeit für sich selbst, seine Familie oder andere Projekte zu haben, gewinnt für ihn zunehmend an Bedeutung. Ohne von heute auf morgen mit der Arbeit aufhören zu wollen, wünscht er sich, in etwa fünfzehn Jahren deutlich mehr Freiheit zu haben.

Seine Situation ist dabei keineswegs außergewöhnlich. David hat weder ein Unternehmen verkauft noch ein Vermögen geerbt oder die perfekte Geldanlage entdeckt. Er hat lediglich erkannt, dass seine Sparfähigkeit zu einem echten Hebel werden kann, wenn er sie gezielter und strukturierter nutzt.

Heute kann David rund 500 € pro Monat investieren und hat bereits damit begonnen, ein erstes Vermögen aufzubauen. Als er jedoch den nächsten Schritt gehen möchte, steht er vor einer deutlich schwierigeren Frage, als es zunächst scheint: In welche Anlageinstrumente sollte er regelmäßig investieren?

Die Möglichkeiten sind vielfältig: Manche Quellen empfehlen Einzelaktien, andere dividendenstarke Unternehmen, Zukunftsbranchen, Kryptowährungen oder börsennotierte Immobilien. Jede dieser Lösungen scheint ihre eigenen Vorteile, Risiken und Befürworter zu haben. Je mehr David recherchiert, desto stärker gewinnt er den Eindruck, Monate damit verbringen zu können, die verschiedenen Optionen zu vergleichen, ohne jemals eine Entscheidung zu treffen.

Mit seinem Beruf, seinem Familienleben und seinen weiteren Verpflichtungen weiß David, dass er nicht mehrere Abende pro Woche damit verbringen kann, Unternehmen zu analysieren oder die Finanzmärkte zu verfolgen. Daher sucht er weniger nach der perfekten Strategie als nach einem Ansatz, der einfach genug ist, um verstanden, umgesetzt und über viele Jahre hinweg beibehalten zu werden.

In dieser Situation entdeckt er die Welt der ETFs. Die Möglichkeit, mit einem einzigen Anlageprodukt in Hunderte von Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen und Ländern zu investieren, erscheint ihm sofort deutlich zugänglicher als der Aufbau eines Portfolios aus einzelnen Aktien. Natürlich garantiert ihm auch dieser Ansatz keinen Erfolg und schützt ihn nicht vor den Schwankungen der Märkte. Er trägt jedoch mehreren sehr konkreten Anforderungen Rechnung, mit denen David im Alltag konfrontiert ist.

David erkennt, dass seine größte Herausforderung vielleicht nicht darin besteht, die ideale Geldanlage zu finden. Vielmehr geht es darum, eine Strategie aufzubauen, die er trotz der vergehenden Jahre, möglicher Zweifel und der Unwägbarkeiten des Alltags konsequent weiterverfolgen kann.

Fazit

ETFs sind nicht die einzige Möglichkeit zu investieren. Manche Anleger bevorzugen es, ihre Aktien selbst auszuwählen oder andere Anlagestrategien zu verfolgen.

Für viele Privatanleger liegt der größte Vorteil von ETFs in ihrer Einfachheit. Sie ermöglichen den Zugang zu einem breit diversifizierten Portfolio, ohne jedes Unternehmen einzeln auswählen oder viel Zeit für die Beobachtung der Märkte aufwenden zu müssen.

Diese Kombination aus Einfachheit, Diversifikation und leichter Umsetzbarkeit erklärt zu einem großen Teil, warum ETFs heute einen so wichtigen Platz in langfristigen Anlagestrategien einnehmen.

Die Vorteile von ETFs zu verstehen, ist das eine. Aus den zahlreichen verfügbaren Möglichkeiten die passende auszuwählen, ist etwas ganz anderes.

Artikel 10: MSCI World, S&P 500 oder Europa-ETF: Wie behält man den Überblick? (In Arbeit)